Indisches Neujahr und Earcandling

Jetzt sind wir beide schon an die zwei Wochen unterwegs im schönen Südostasien. Der Startschuss fiel am 26ten Oktober in Singapor - steif und absolut übermüdet von 12 Stunden Busfahrt von Sydney nach Melbourne, 5 h Wartezeit bis zum Flug und nochmals 11 Stunden an eigentlicher Flugzeit. Natürlich so unbequem wie es nur eben geht in einer fliegenden Sardinenbüchse.

Erstmal ohne Probleme durchs Ankunftsprozedere gerutscht, viel zu schweres Gepäck wieder eingesammelt und dann so langsam gen Hostel gewatschelt. Zumindest für zwei tage hatten wir schonmal vorgebucht. Hier stiessen wir zum ersten mal auf das Konzept Toilettendusche. Für ganz faule sozusagen. Toilette befindet sich dabei zusammen mit dem Duschkopf ohne Abgrenzung in einer Kabine. Wer sich in seiner Beziehung also sehr vertraut ist, kann mal aufs Töpfchen gehen, während der andere einem beim duschen versehentlich mit Wasser nass spritzt. Wenigstens gab es aber richtige Klo´s, denn wie auch in Shanghai pullert der gewöhnliche Asiate in ein Loch im Boden. Was kann man also von Singapor so sagen: sehr reinlich (selbst Kaugummi kauen ist da schon verboten), multilingual und bunt gemischt, relativ preisintensiv im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern.

Gerade an den Tagen, in denen wir uns ins Land verirrt haben, feiern die Inder gerade ihr Neujahr - Deepavali. Da haben uns natürlich nicht lumpen lassen und sind am zweiten Abend in den Stadtteil Little India geflitzt, um dem ganzen Spektakel beizuwohnen. Ein jeder hatte sich rausgeputzt, Zentner von Gold angelegt und war in Feierlaune. Da Neujahr sowie die beiden darauffolgenden Tage auch als Lichtfestival bekannt sind, wurden die Strassen auch entsprechend von großen, glitzernden Lichtbögen beleuchtet. Ich liebe ja die tradiotionellen Gewänder der Inderinnen. Was für Farben und Stoffe man alles sieht! Und eine Dame ist hübscher wie die andere. Da bin ich schon fast bisschen neidisch, muss ich zugeben. Ich selbst würde mit Gewand und Tüchern wahrscheinlich wie ein Gnom im Kartoffelsack aussehen, ganz zu schweigen davon, dass die intensiven Farbtöne nunmal auf kakaofarbener Haut viel schöner wirken, als auf käseweisser. Auf Rat eines alten zahnlosen Herren sind wir dann dem Getümmel zu einem abgesperrten Gelände mitsamt aufgebauter Bühne gefolgt. Zuerst warn wir ja ein wenig schüchtern, standen vor dem Eingang doch schon eine ganze Menge Menschen an. Aber fragen kostet ja wohl nix und kaum hatten wir das getan, waren wir auch schon drin. Grund: ich bin eine Frau. Bei näherem Hinsehen mussten nämlich nur die alleinstehenden Männer draussen warten, jeder mit einer Frau an seiner Seite wurde einfach durchgewungen. Es handelte sich bei der Veranstaltung nämlich um die Wahl zur Miss India 2013. Genauer, um den Endausscheid zwischen zehn bezaubernden jungen Feen. Leider war das ganze dann auch auf indisch, so dass wir nach einer halben Stunde gespielter Interesse wieder das Weite gesucht haben.

An dem Abend fand ich dann auch noch heraus, dass das indische Essen in Deutschland keinesfalls mit dem Original verglichen werden kann. Der Unterschied besteht darin, dass man Matter Paneer in der Dresdner Scheune mit Genuss in sich reinschaufeln kann, während man in Little India das Gefühl hat Feuer in seinen Eingeweiden gelegt zu haben. Ging mir zumindest so, Josh scheint da ja aus härterem Holz geschnitzt zu sein.
Sowieso, zuerst verschlägt es mich ein Jahr in ein unglaublich heisses Land, Australien, wo ich doch Hitze gar nicht mag und dann muss ich ausgerechnet auch noch die Länder bereisen, die für ihre scharfen Gerichte weltweit bekannt sind, obwohl ich dafür nun überhaupt gar keine Toleranz habe . Von guter Selbsteinschätzung kann hier wohl eher nicht die Rede sein. Wie dem auch sei, ich kämpfe mich durch. Versuche meinem Verdauungstrakt jedem Tag unter sorgfältiger Aufsicht ein wenig Chili und Curry zuzuführen. Und dabei viiiel zu trinken. Bis jetzt jedenfalls ging das gut. Allerdings wurde ich schon vor Thailand gewarnt, da soll einem wohl alles die Gedärme zum kochen bringen. Toll. Davon aber mehr, wenns soweit ist. Das heisst, insofern ich dann noch zum schreiben in der Lage sein werde...

Zurück zum Thema: Besonders schön im Bezug auf Deepavali war dann noch, dass die Gastgeber unseres zweiten Hostel in Singapor aus einer 6-köpfigen indischen Familie und zwei Schildkröten (Leihgabe aus der Schule) bestand. So wurde am letzten Tag der Festivitäten dann für alle traditionell gekocht. Einer hat sich da besonders gefreut. Josh durfte nämlich mitkochen. Vor dem auftischen wurden noch hundert Wunderkerzen abgebrannt und kleine Teelichter überall um uns herum aufgestellt. Das Dessert und Brot konnte ich zumindest mitessen...

Neben seiner ethnischen Mischung besticht Singapor auf jedenfall auch durch seine Natur. Unzählige Gärten und Nationalparks bieten sich da zum besuchen an. Uns hat es an den Hafen zur Gartenbeschauung und ins MacRitchie-Naturreservat verschlagen. Zweiteres gab einem das Gefühl wirklich von Stadt in den Dschungel gewandert zu sein. Wunderschöne Fauna in Kombination mit Affen ist schon was Tolles. Da es Sonntag war hatte sich auch so manch anderer in den Naturpark getraut, hauptsächlich Sportler, die sich trotz gefühlter 40 Grad und teilweise hohem Alters den Dschungelpfad entlangquälten. Bei uns gings da schon etwas gediegener zugange würd ich da mal sagen. Den Abend haben wir dann noch mit einem neugewonnenem Freund, unserer Potatoqueen, und einer leckeren Shisha ausklingen lassen. Zur Erläuterung: Unser Freund war Asiate und schwul samt australischem Boyfriend, was man unter Insidern wohl als eine Kartoffelkönigin bezeichnet. Die Weißen heißen bei Asiaten nämlich Potato´s, während sie sich selbst als Rice bezeichnen. Wäre ein weißer, homosexueller Mann also mit einem Rice-Mann zusammen, ergibt das eine Ricequeen. Ich weiß, ich fand es auch verblüffend.

Aber genug von Singapor und auf nach Malaysia, welches wir nach dreistündiger Busfahrt und lapidarer Grenzkontrolle für uns erobert hatten. Erster Stop: Melaka. Wo wir uns derzeit auch noch befinden. Schon mal ein ganzes Eckchen dreckiger als das Vorgängerland, dafür aber sehr freundlich und offen gegenüber Fremden. Ich mit meinen Tattoos bin mal wieder wie ein bunter Hund. "Nice tattoo, nice tattoo" höre ich an jeder Ecke und grinsende Gesichter. Zucker. Gerade hier, in einem Land in dem 90 % Prozent der Bevölkerung muslimisch sind, hätte ich etwas anderes erwartet. Solange man sich als Frau aber einigermaßen kleidet, scheint hier niemand damit ein Problem zu haben.

Da von nun an die Preise pro Land merklich sinken, konnten wir uns es nicht nehmen lassen ein kleines bisschen rumzushoppen. Nur eine luftige Hose hier, eine Tube Hennapaste da... und ein komplettes Set an indischem Schmuck in Gold- und Silberduplikat. Das letztere war natürlich für mich. Man könnte sagen, ich hab mich da ein wenig gehen lassen... kann aber auch an dem Verkäufer gelegen haben, der mir begeistert alles vor die Nase gelegt hat, was funkelt und glitzert. Da muss ein Mädchen doch zugreifen!! So bin ich jetzt mit 6 verschnörkelten Armreifen, zwei Fußkettchen mit Funkelsteinchen und zwei paar hängender Ohrringe ausgestattet. Is aber doch soo schön!! Lag aber alles immer noch bei 55 Ringit, umgerechnet um die 13 Euro. Josh hat sich später im Hotelzimmer auch noch etwas zu sehr gehen lassen , als er nämlich die neuerworbene Hennapaste an meinem Oberschenkel ausprobiert hat. Nachdem das mit den kunstvollen Ornamenten nicht so hingehauen hat, beschloss er kurzerhand meine Haut mit "Josh was here" und einem Pfeil in Richtung meines Intimbereiches zu verzieren. Ganz toll, die Farbe hält ja auch nur ne Woche oder mehr.
Eben hat mir dafür ein delikates Abendessen gekocht, Stachelrochen mit Salat. Jammi.

Im übrigen kann ich in meinem Blog nun ein zweites Mal eine Beautyanwendung empfehlen: Earcandling und Foot-Reflexology. Sich die Füße massieren zu lassen ist an sich ja schon toll, aber dann noch von jemanden, der dabei noch einiges vom menschlichen Körper und seinen Zusammenhängen versteht, unbeschreiblich. Ich weiß nicht, ob es mal wieder an meiner kleinen Blase lag oder tatsächlich an der Akupressur... Nachdem die Dame einen Punkt an meinem Fuß gerubbelt hat, welcher für die Blase zuständig ist, musste ich jedenfalls noch 5mal mehr für kleine Königstiger.

Das Earcandling danach war genauso herrlich. Das aus Wachs bestehende Trichterröhrchen, welches einem ins Ohr gesteckt wird, soll bei einer Vielzahl von Beschwerden helfen. Unter anderem Schlaflosigkeit und Migräne und wirkt daneben wohl auch reinigend für den Körper. Am besten daran war wohl doch eher die zeitgleich gegebene Kopf- und Nackenmassage. Rrrrrrrrrrr. Da meine Masseurin aus Thailand war hat sie es am Schluss noch einmal tradionell bei mir knacken lassen. Ritschratsch die Wirbelsäule rauf und runter. Wunderbar.

Nun wars das aber voerst mal zum Thema Malaysia, mehr dazu dann hoffentlich die Tage.
Bis dann dann, die Christin ;-)

6.11.13 15:09

Letzte Einträge: Those smells!!!!, Was ich eigentlich sagen wollte..., Blutegel und Suchtgefühle, Da war ja noch was...

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