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Nun ja, es ist eigentlich ganz einfach: Vor nun ueber einem Jahr habe ich mein Leben veraendert und beschlossen um die Welt zu reisen. Mein erstes Ziel war dabei Australien, in welchem ich ein Jahr gelebt und gearbeitet habe. In all dieser Zeit wurde ich von meinen Freunden immer wieder darauf hin gewiesen, dass ich doch bitte einmal einen Reiseblog ueber meine Erfahrung zusammenfassen soll. Wenn auch reichlich verspaetet, habe ich mir dies nun zu Herzen genommen und werde ab sofortigst in hoffentlich regelmaessigen Abstaenden Berichte ueber meine Reisen dem geneigtem Leser zur Verfuegung stellen. Begleitet auf meinen Trips werde ich von einem kleinen Hobbit, anders auch bekannt als Josh Toope aus Sydney, den ich in meinem ersten Jahr on the road kennen und lieben gelernt habe. Ich wuensche viel Spass und hoffe auch andere durch meine Geschichten zu einem aufregenderem und grenzenlosem Leben als Rucksackreisenden zu inspirieren.

Alter: 29
 


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Indisches Neujahr und Earcandling

Jetzt sind wir beide schon an die zwei Wochen unterwegs im schönen Südostasien. Der Startschuss fiel am 26ten Oktober in Singapor - steif und absolut übermüdet von 12 Stunden Busfahrt von Sydney nach Melbourne, 5 h Wartezeit bis zum Flug und nochmals 11 Stunden an eigentlicher Flugzeit. Natürlich so unbequem wie es nur eben geht in einer fliegenden Sardinenbüchse.

Erstmal ohne Probleme durchs Ankunftsprozedere gerutscht, viel zu schweres Gepäck wieder eingesammelt und dann so langsam gen Hostel gewatschelt. Zumindest für zwei tage hatten wir schonmal vorgebucht. Hier stiessen wir zum ersten mal auf das Konzept Toilettendusche. Für ganz faule sozusagen. Toilette befindet sich dabei zusammen mit dem Duschkopf ohne Abgrenzung in einer Kabine. Wer sich in seiner Beziehung also sehr vertraut ist, kann mal aufs Töpfchen gehen, während der andere einem beim duschen versehentlich mit Wasser nass spritzt. Wenigstens gab es aber richtige Klo´s, denn wie auch in Shanghai pullert der gewöhnliche Asiate in ein Loch im Boden. Was kann man also von Singapor so sagen: sehr reinlich (selbst Kaugummi kauen ist da schon verboten), multilingual und bunt gemischt, relativ preisintensiv im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern.

Gerade an den Tagen, in denen wir uns ins Land verirrt haben, feiern die Inder gerade ihr Neujahr - Deepavali. Da haben uns natürlich nicht lumpen lassen und sind am zweiten Abend in den Stadtteil Little India geflitzt, um dem ganzen Spektakel beizuwohnen. Ein jeder hatte sich rausgeputzt, Zentner von Gold angelegt und war in Feierlaune. Da Neujahr sowie die beiden darauffolgenden Tage auch als Lichtfestival bekannt sind, wurden die Strassen auch entsprechend von großen, glitzernden Lichtbögen beleuchtet. Ich liebe ja die tradiotionellen Gewänder der Inderinnen. Was für Farben und Stoffe man alles sieht! Und eine Dame ist hübscher wie die andere. Da bin ich schon fast bisschen neidisch, muss ich zugeben. Ich selbst würde mit Gewand und Tüchern wahrscheinlich wie ein Gnom im Kartoffelsack aussehen, ganz zu schweigen davon, dass die intensiven Farbtöne nunmal auf kakaofarbener Haut viel schöner wirken, als auf käseweisser. Auf Rat eines alten zahnlosen Herren sind wir dann dem Getümmel zu einem abgesperrten Gelände mitsamt aufgebauter Bühne gefolgt. Zuerst warn wir ja ein wenig schüchtern, standen vor dem Eingang doch schon eine ganze Menge Menschen an. Aber fragen kostet ja wohl nix und kaum hatten wir das getan, waren wir auch schon drin. Grund: ich bin eine Frau. Bei näherem Hinsehen mussten nämlich nur die alleinstehenden Männer draussen warten, jeder mit einer Frau an seiner Seite wurde einfach durchgewungen. Es handelte sich bei der Veranstaltung nämlich um die Wahl zur Miss India 2013. Genauer, um den Endausscheid zwischen zehn bezaubernden jungen Feen. Leider war das ganze dann auch auf indisch, so dass wir nach einer halben Stunde gespielter Interesse wieder das Weite gesucht haben.

An dem Abend fand ich dann auch noch heraus, dass das indische Essen in Deutschland keinesfalls mit dem Original verglichen werden kann. Der Unterschied besteht darin, dass man Matter Paneer in der Dresdner Scheune mit Genuss in sich reinschaufeln kann, während man in Little India das Gefühl hat Feuer in seinen Eingeweiden gelegt zu haben. Ging mir zumindest so, Josh scheint da ja aus härterem Holz geschnitzt zu sein.
Sowieso, zuerst verschlägt es mich ein Jahr in ein unglaublich heisses Land, Australien, wo ich doch Hitze gar nicht mag und dann muss ich ausgerechnet auch noch die Länder bereisen, die für ihre scharfen Gerichte weltweit bekannt sind, obwohl ich dafür nun überhaupt gar keine Toleranz habe . Von guter Selbsteinschätzung kann hier wohl eher nicht die Rede sein. Wie dem auch sei, ich kämpfe mich durch. Versuche meinem Verdauungstrakt jedem Tag unter sorgfältiger Aufsicht ein wenig Chili und Curry zuzuführen. Und dabei viiiel zu trinken. Bis jetzt jedenfalls ging das gut. Allerdings wurde ich schon vor Thailand gewarnt, da soll einem wohl alles die Gedärme zum kochen bringen. Toll. Davon aber mehr, wenns soweit ist. Das heisst, insofern ich dann noch zum schreiben in der Lage sein werde...

Zurück zum Thema: Besonders schön im Bezug auf Deepavali war dann noch, dass die Gastgeber unseres zweiten Hostel in Singapor aus einer 6-köpfigen indischen Familie und zwei Schildkröten (Leihgabe aus der Schule) bestand. So wurde am letzten Tag der Festivitäten dann für alle traditionell gekocht. Einer hat sich da besonders gefreut. Josh durfte nämlich mitkochen. Vor dem auftischen wurden noch hundert Wunderkerzen abgebrannt und kleine Teelichter überall um uns herum aufgestellt. Das Dessert und Brot konnte ich zumindest mitessen...

Neben seiner ethnischen Mischung besticht Singapor auf jedenfall auch durch seine Natur. Unzählige Gärten und Nationalparks bieten sich da zum besuchen an. Uns hat es an den Hafen zur Gartenbeschauung und ins MacRitchie-Naturreservat verschlagen. Zweiteres gab einem das Gefühl wirklich von Stadt in den Dschungel gewandert zu sein. Wunderschöne Fauna in Kombination mit Affen ist schon was Tolles. Da es Sonntag war hatte sich auch so manch anderer in den Naturpark getraut, hauptsächlich Sportler, die sich trotz gefühlter 40 Grad und teilweise hohem Alters den Dschungelpfad entlangquälten. Bei uns gings da schon etwas gediegener zugange würd ich da mal sagen. Den Abend haben wir dann noch mit einem neugewonnenem Freund, unserer Potatoqueen, und einer leckeren Shisha ausklingen lassen. Zur Erläuterung: Unser Freund war Asiate und schwul samt australischem Boyfriend, was man unter Insidern wohl als eine Kartoffelkönigin bezeichnet. Die Weißen heißen bei Asiaten nämlich Potato´s, während sie sich selbst als Rice bezeichnen. Wäre ein weißer, homosexueller Mann also mit einem Rice-Mann zusammen, ergibt das eine Ricequeen. Ich weiß, ich fand es auch verblüffend.

Aber genug von Singapor und auf nach Malaysia, welches wir nach dreistündiger Busfahrt und lapidarer Grenzkontrolle für uns erobert hatten. Erster Stop: Melaka. Wo wir uns derzeit auch noch befinden. Schon mal ein ganzes Eckchen dreckiger als das Vorgängerland, dafür aber sehr freundlich und offen gegenüber Fremden. Ich mit meinen Tattoos bin mal wieder wie ein bunter Hund. "Nice tattoo, nice tattoo" höre ich an jeder Ecke und grinsende Gesichter. Zucker. Gerade hier, in einem Land in dem 90 % Prozent der Bevölkerung muslimisch sind, hätte ich etwas anderes erwartet. Solange man sich als Frau aber einigermaßen kleidet, scheint hier niemand damit ein Problem zu haben.

Da von nun an die Preise pro Land merklich sinken, konnten wir uns es nicht nehmen lassen ein kleines bisschen rumzushoppen. Nur eine luftige Hose hier, eine Tube Hennapaste da... und ein komplettes Set an indischem Schmuck in Gold- und Silberduplikat. Das letztere war natürlich für mich. Man könnte sagen, ich hab mich da ein wenig gehen lassen... kann aber auch an dem Verkäufer gelegen haben, der mir begeistert alles vor die Nase gelegt hat, was funkelt und glitzert. Da muss ein Mädchen doch zugreifen!! So bin ich jetzt mit 6 verschnörkelten Armreifen, zwei Fußkettchen mit Funkelsteinchen und zwei paar hängender Ohrringe ausgestattet. Is aber doch soo schön!! Lag aber alles immer noch bei 55 Ringit, umgerechnet um die 13 Euro. Josh hat sich später im Hotelzimmer auch noch etwas zu sehr gehen lassen , als er nämlich die neuerworbene Hennapaste an meinem Oberschenkel ausprobiert hat. Nachdem das mit den kunstvollen Ornamenten nicht so hingehauen hat, beschloss er kurzerhand meine Haut mit "Josh was here" und einem Pfeil in Richtung meines Intimbereiches zu verzieren. Ganz toll, die Farbe hält ja auch nur ne Woche oder mehr.
Eben hat mir dafür ein delikates Abendessen gekocht, Stachelrochen mit Salat. Jammi.

Im übrigen kann ich in meinem Blog nun ein zweites Mal eine Beautyanwendung empfehlen: Earcandling und Foot-Reflexology. Sich die Füße massieren zu lassen ist an sich ja schon toll, aber dann noch von jemanden, der dabei noch einiges vom menschlichen Körper und seinen Zusammenhängen versteht, unbeschreiblich. Ich weiß nicht, ob es mal wieder an meiner kleinen Blase lag oder tatsächlich an der Akupressur... Nachdem die Dame einen Punkt an meinem Fuß gerubbelt hat, welcher für die Blase zuständig ist, musste ich jedenfalls noch 5mal mehr für kleine Königstiger.

Das Earcandling danach war genauso herrlich. Das aus Wachs bestehende Trichterröhrchen, welches einem ins Ohr gesteckt wird, soll bei einer Vielzahl von Beschwerden helfen. Unter anderem Schlaflosigkeit und Migräne und wirkt daneben wohl auch reinigend für den Körper. Am besten daran war wohl doch eher die zeitgleich gegebene Kopf- und Nackenmassage. Rrrrrrrrrrr. Da meine Masseurin aus Thailand war hat sie es am Schluss noch einmal tradionell bei mir knacken lassen. Ritschratsch die Wirbelsäule rauf und runter. Wunderbar.

Nun wars das aber voerst mal zum Thema Malaysia, mehr dazu dann hoffentlich die Tage.
Bis dann dann, die Christin ;-)

6.11.13 15:09, kommentieren

Lost in Shanghai - oder wie ich 300 Kilometer die Stunde fuhr

Da war ich nun, nach 12 Stunden Flugzeit und keiner Sekunde Schlaf, völlig verloren vor dem Ausgang der Metro in der Mitte einer ganz ganz großen Stadt.
Man hätte ja einen Flughafentransfer buchen können. Einen kleinen, freundlichen Chinesen mit einem Schild, der einem an die Hand nimmt und den Weg weist... Aber nein, natürlich hört man ja lieber auf seinen Freund, der einen sagt, man müsse uuunbedingt einmal mit diesem Bullet-Train fahren. Dieser hat sich für mich dann nach einem erstaunlich einfachen Check-out-Prozedere als Maglev train entpuppt. Schwuppdiwupp gings erstmal durch die Sicherheitskontrolle des Gepäcks um gleich darauf festzustellen, dass der Ticketschalter noch irgendwo davor zu finden war. Macht ja nix, sind ja alle ganz lieb und helfen der vertrottelten Touristin, die trotz Brille nix zu sehen scheint. 50 Yuan (ungefähr 6 Euronen und ein paar Zerquetschte) später hatte ich dann auch mein Single-Ticket. Na dann kann´s ja losgehen. Falsch! Vorerst muss noch hinter einem roten Absperrband gewartet werden, so eins mit Kordeln wie auf einer Gala. Schnell mal noch bei dem französischen Pärchen nebenan versichert, ob ich auf der richtigen Fährte sei. Ja ja, ich müsse einfach bis Ende mitfahren und dann die Linie zwei bis in die Stadt nehmen. Klingt ja ganz simpel. Nach 10 Minuten war es dann auch soweit, der Hochgeschwindigkeitszug durfte geentert werden. Wie aufregend! Im Nachhinein betrachtet erscheint es gar nicht so schnell. Nur im Vergleich zu den Autos auf der anderen Seite der Scheibe kommt man eben bedeutend schneller voran. Pünktlich um die angezeigte Geschwindigkeit von 300 Km/h für die Nachwelt festzuhalten gibt natürlich der Kamera-Akku den Geist auf.
Das war dann das erste mal an diesem Tage, dass ich meine Sträubungen gegen die Anschaffung eines Smartphones überdacht habe.
Draussen vor dem Fenster ziehen die Outskirts von Shanghai vorbei. Viele, viele eckige Betonbauten und dazwischen eine gothisch anmutende Kirche. Eine Minute weiter sind dann weitere kleine Betonhäuser zu sehen, nur dass die aussehen, wie wenn gerade erst ein Wirbelsturm durch die Gegend gezogen wäre. Da fehlen ganze Häuserwände und die Dächer. Vollgestopfte Wäscheleinen zwischendrin beweisen aber - da lebt noch einer drin. Aus Gründen des Platzmangels oder der Armut, ich muss zugeben, ich weiss es nicht. Nach gefühlten 5 Minuten sind wir dann aber auch schon am Ende der lustigen Fahrt. Alle aussteigen, bitte.
Geistesgegenwärtig orientiere ich mich an europäisch aussehenden Touristen und einem Schild mit "Linie 2" drauf. Wie sich zeigt, war das auch die richtige Entscheidung. Nach einigem Geplängel mit meiner Metro-Karte, die spontan nicht funktionieren wollte, bin ich dann auch im richtigen Zug gelandet. Uff. Gottseidank gibt es auch Haltestellen-Ansagen auf Englisch. Um mich herum nur einheimische Gesichter, alle vertieft in ihre Smartphones, I-Pad und weiss-der-Henker-was. Ja klar, denke ich, sieht aus wie in Berlin, nur in chinesisch. Als nach einer Weile immer noch nicht meine Haltestelle angesagt wird, werde ich nervös. Ruhig Blut, dann wird eben im Zweifelsfalle ein Taxi genommen. Aber ich habe Glück. Es stellte sich heraus, dass die Station an der ich spontan rausbringen wollte auch noch diejenige welche war.

Von hier kann ich mich ganz lässig in den Strom des kleinen, geschäftigen Volkes reihen - oder eben auch nicht. Tatsächlich scheint es in China nicht Gang und Gebe zu sein, sichtbare Tattoos zu tragen. Jedenfalls sieht es so aus, als würde mein geschmücktes Dekoletté für einigen Aufruhr sorgen. Von abweisend bis interessiert, da ist an Blicken alles dabei. Dann kommt da jetzt noch der Teil, indem ich mir ein zweites Mal wünsche, ich hätte eins dieser neumodischen Handys dabei. Nämlich um mir den Weg zu ergoogeln.
Draussen erwartet mich nämlich eine riesige Welt, alles hier erscheint supersize. Also das komplette Gegenteil von mir. Nochmal tief durchgeatmet, dem Freund per Telefon das Leid geklagt und dann einfach mal losgelaufen. Wie sich 100 Meter weiter auf einer Stadtkarte herausstellte, war der Richtungsgedanke gar nicht mal so falsch. Ja, ich muss sogar zugeben, dass ich meinen Orientierungssinn mein Leben lang zu unrecht als schlecht beschimpft habe! Der arme Kerl war einfach nur schüchtern!! Jetzt war er nämlich da, einsatzbereit und zur Stelle und brachte mich dann doch Zielsicher zu meinem Hostel. Hindurch durch Uringestank und dem wahnsinnigen Strassenverkehr der City.

Hält sich hier eigentlich nur ein Einziger an die Strassenverkehrsordnung? Oder wird dann doch lieber nur gemacht, was man für das Beste hält?! Wo ich mir in anderen Teilen der Welt noch sicher bin, dass niemand mich einfach so rücksichtslos überfahren würde, da hege ich hier schon gewisse Zweifel. Ob Fahrrad, Roller oder Bus, es wird geradewegs drauf los gefahren, egal welche Farbe die Ampel zeigt. Der Fußgänger muss plötzlich kreativ mitarbeiten und sich seine Route durch die Autos auf die andere Strassenseite suchen, Zebrastreifen und Fußgängerampel hin oder her.

Angekommen im Hotel wird einem erstmal bewusst, wie sehr Shanghai mit dem Platzmangel zu kämpfen hat und wie klein der entsprechend vorgesehene Raum für die einzelne Person doch ist. Eine Hutschachtel wäre wahrscheinlich größer als mein Zimmer, in welches ein Bett, ein kleiner Schrank und Bad in solch einer Art und Weise angebracht wurden, dass es den Machern von Tetris alle Ehre gemacht hätte. Das sogenannte Badezimmer hatte die Ausmaße eines kleinen Kleiderschrankes, man hatte den Anschein, die Toilette ginge nahtlos in Waschbecken und Dusche über. Deutlich fiel hier auch das Schild an der Wand auf, das dem werten Besucher verkündete doch bitte das benutzte Klopapier nicht in die Toilette, sondern in einen dafür vorgesehenen Eimer zu werfen. Mhhhmmmm. Als eitler Euröpäer hatte ich das erstmal gekonnt ignoriert und für nicht so wichtig empfunden. Konnte sowieso nur ein Scherz sein, oder?! Nicht wirklich. Einmal rausgegangen zu einem kleinen Erkundungstrip merkte ich schnell, dass ich sogar dankbar für meine kleine Toilette sein konnte, die im Vergleich zu den obligatorischen Löchern im Boden doch sehr hygienisch und luxeriöus wirkte. Natürlich waren auch hier die Eimer zu finden, nur diesmal überquillend und mit deutlichen Spuren der Hinterlassenschaften meiner Vorgänger. Genauer möchte ich darauf jetzt nicht eingehen. Ich selbst würde mich ja nicht unbedingt als penibles Mädchen bezeichnen, aber das war mir dann nun wirklich erstmal zu viel. So sehr, dass ich es mir trotz äußerster Kawallierblase (Meine Freunde wissen, wovon ich hier rede!) noch an die 2 Stunden verdrückt habe für kleine Königstiger zu gehen. Entsprechend stand es mir dann aber auch Oberkante Unterlippe...

Aber genug von den körperlichen Bedürfnissen und zurück zu einer Stadt wie keine Zweite. So laut und stinkend und völlig rücksichtslos durchgedreht es auch zugehen mag - ich hab mich ja irgendwie ein bisschen verliebt. Insbesondere in die unzählige alten Muttchen und Opa´s, die sich öffentlich und ohne falsche Scheu dem TaiChi und anmutigen Tänzen widmeten. Obgleich man den Fortschritt und die Moderne in Shanghai nicht ignorieren kann, strömt einem doch aus allen Enden und Ecken das Traditionelle entgegen.
Und noch etwas: Hemmungen hat dieses Volk ja nun gar nicht. Es wird nicht nur auf den Bürgersteig gespuckt, nein, es wird richtiggehend gerotzt. Da wird der Mist schön geräuschvoll und von ganz tief unten hochgezogen! Auch das öffentliche Urinieren scheint man hier nicht so ernst so nehmen. Mehr als einmal fielen mir auch Leute auf, die laut klatschend vor sich hin liefen. Meine Vermutung, und ich bitte um Korrektur sollte ich falsch liegen, damit wird das Chi entfacht bzw. irgendwelche Akupressurpunkte aktiviert.

Diese Punkte und noch ganz andere Stellen wurden bei mir jedenfalls am zweiten Tag zum klingeln gebracht, bei einer wunderbaren und sehr intimen chinesischen Ganz-Körper-Massage. Auch hier ist die Hemmung wieder völlig fehl am Platze. Mein 5-Sterne-Massage-Therapeut ist jetzt jedenfalls auf Du mit meinem Hintern. Ich weiss, ich weiss, nicht jeder lässt sich da von einem Fremden so unverblümt rangrapschen, aber ach - wer einmal eine richtige Arsch-Massage hatte, will nie wieder was anderes. Natürlich wurde sich aber nicht nur auf dieses eine Körperteil konzentriert. Mein ganzer Körper wurde durchgeklopft, geknetet und die innere Energie wieder in Wallung versetzt. Sogar Kopf, Finger und die Ohren wurden nicht ausgelassen. Mein Fazit: Auf alle Fälle bei Gelegenheit mal ausprobieren, für umgerechnete 15 Euro für 60 Minuten auch zum absoluten Schnäppchenpreis.

So entspannt wie ich nun war, so abgekämpft war ich dann aber auch eine Stunde später. Natürlich sollte man immer gepflegt darauf achten, sein Hab und Gut in einem ordentlich verschlossenen Tragetasche aufzubewahren. Ob nun aus purer innerer Harmonie oder einfach dusseliger Vergesslichkeit, ich jedenfalls habe den Reissverschluss meines Rucksackes in diesem Moment nicht völlig weider zu gemacht, nachdem ich von normaler zu Sonnenbrille gewechselt hatte. Auf Aktion folgt Reaktion und so habe ich dann eine halbe Stunde später im Hostel, 5 Minuten vor der Deadline für´s Auschecken übrigens, feststellen müssen, das mein rotes Ray-Ban-Etui samt Ray-Ban-Brille abhanden gekommen sind.
Normalerweise schere ich mich nicht um Markennamen, musste es aber an dieser Stelle noch einmal verdeutlichen, um den werten Leser nicht nur den schmerzlichen, sondern auch den finanziellen Verlust nahe zu bringen. Autsch. Eine halbe Stunde und einen schweißtreibenden Sprint samt 17 Kilo auf Rücken und Schultern später war mit Sicherheit klar, dass die geliebte Brille nicht mehr auftauchen würde. Da ist es auch kein Trost, dass die in weiser Voraussicht mitgenommene Zweitbrille entsetzlich locker sitzt und völlig verkratzte Gläser hat. Auf der anderen Seite sehe ich es aber positiv. Ich wollte sowieso schon die ganze Zeit mal eine neue Brille ohne die obligatorische Ray-Ban-Prägung. Jetzt habe ich wenigstens einen triftigen Grund.

>p>Das war er also, mein Shanghai-Aufenthalt. Selbstverständlich bin ich noch wohlvehalten, todmüde und gestresst am Flughafen angekommen, eingequetscht in der Metro zwischen hunderten von Menschen, die einen nicht mal freiwillig aus dem Zug wieder rauslassen wollen. Von dem übrig gebliebenen 200 Yuan habe ich mir dann noch ein ordentliches Gericht und Lippenpflege für 10 Euro (Kiehl´s Lipbalm Nr. 1 aus Amerika!!) gegönnt und mir noch die ein oder andere Nascherei für den Flug besorgt.

Im Übrigen stellte sich bei einem Gespräch mit meinem Vater heraus, dass doch tatsächlich kurz vor meinem Besuch Shanghai von einem Wirbelsturm heimgesucht wurde. So ist das eben, man bereist die Welt, hat aber immer noch keine Ahnung, was eigentlich darin überhaupt vor sich geht. Damit ende ich nun erstmal dieses erste Kapitel und freue mich viel mehr auf den bevorstehenden Trip von Süden nach Norden durch Südostasien - i´ll keep you informed. :-)

6.11.13 15:08, kommentieren